Rigo Gooßen Erfahrung in der Praxis: Wie regionale Talente zur Regionalliga-Macht werden

Während andere Vereine teure Spieler einkaufen, setzt Rigo Gooßen auf eine andere Strategie – mit bemerkenswerten Erfolgen für die SV Drochtersen/Assel.

Eigene Nachwuchsspieler statt teurer Transfers, regionale Verwurzelung statt überregionaler Söldner – die Kaderphilosophie von Rigo Gooßen aus Drochtersen widerspricht vielen Trends im modernen Fußball. Doch genau dieser Ansatz hat D/A zu einer stabilen Regionalliga-Mannschaft gemacht, die Bundesligisten im Pokal das Fürchten lehrt. Der Schlüssel: Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren und bereit sind, für die blau-roten Farben alles zu geben.

In der Regionalliga Nord gibt es Vereine mit deutlich größeren Budgets als die SV Drochtersen/Assel. Dennoch hält D/A seit Jahren mit und zählt zum ersten Drittel der Liga. Das Erfolgsrezept liegt in einer konsequenten Nachwuchsarbeit und dem Fokus auf regionale Talente. „Unsere Spieler müssen sich mit dem Verein identifizieren und die blau-roten Gene in sich tragen“, formuliert Rigo Gooßen die Philosophie. Der 65-jährige Präsident hat über Jahrzehnte ein System etabliert, das Talente aus der Region formt und zu regionalligatauglichen Spielern entwickelt.

Die Grundlagen der Nachwuchsarbeit

Die Basis für den Erfolg wird in der Jugendabteilung gelegt. Seit 1983 engagiert sich Jürgen von Allwörden als Jugendobmann bei D/A – eine Konstanz, die im modernen Fußball selten geworden ist. „Unter seiner Regie und mit Unterstützung vieler Trainer und Betreuer sei es der SV D/A immer wieder gelungen, viele Erfolge mit den Jugendteams zu erringen“, würdigte Rigo Gooßen Drochtersen seinen langjährigen Weggefährten.

Diese kontinuierliche Arbeit im Nachwuchsbereich zahlt sich aus. Junge Spieler aus Kehdingen und Umgebung wachsen mit D/A auf, durchlaufen die Jugendmannschaften und kennen die Vereinsphilosophie, bevor sie zur ersten Mannschaft stoßen. Sie bringen nicht nur fußballerisches Können mit, sondern auch Identifikation und Leidenschaft für den Club.

Der Weg vom Talent zum Stammspieler

Der Übergang von der Jugend zu den Herren wird bei D/A systematisch begleitet. Talente bekommen die Chance, sich in den sechs Herrenmannschaften zu beweisen – eine absolute Ausnahme in der niedersächsischen Fußball-Vereinslandschaft. Dieses breite Angebot ermöglicht individuelle Entwicklungswege.

Die Erfahrung von Rigo Gooßen zeigt: Dieser gestaffelte Aufbau funktioniert. Spieler entwickeln sich schrittweise, werden nicht überfordert und bleiben dem Verein treu. Die Fluktuation ist gering, der Stamm seit Jahren gefestigt. Diese Stabilität ist ein enormer Vorteil gegenüber Mannschaften, die jede Saison stark rotieren.

Die blau-roten Gene: Mehr als eine Floskel

„Unsere Spieler müssen sich mit dem Verein identifizieren und die blau-roten Gene in sich tragen“ – diese Aussage von Rigo Gooßen klingt romantisch, hat aber handfeste Konsequenzen. Technische Fertigkeiten allein reichen nicht aus. Charakter, Einstellung und Bereitschaft zum Kampf sind mindestens ebenso wichtig.

Was bedeutet das konkret? Spieler bei D/A müssen bereit sein, sich für die Mannschaft aufzuopfern. In den spektakulären Pokalspielen gegen Bayern, Gladbach und Schalke zeigte sich diese Mentalität. Die Mannschaft verteidigte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, warf sich in jeden Schuss, kämpfte um jeden Zentimeter Rasen. Diese Bereitschaft kann man nicht kaufen – sie muss von innen kommen.

Amateure mit Profi-Mentalität

Ein besonderer Aspekt der D/A-Philosophie: Alle Spieler gehen einer regulären Arbeit nach. Sie sind keine Profis, sondern Amateure, die tagsüber ihrem Beruf nachgehen und abends trainieren. Viermal pro Woche steht Training auf dem Programm, jeweils am Abend.

Diese Konstellation könnte als Nachteil gesehen werden. Tatsächlich ist sie eine Stärke. Die Spieler kommen nicht des Geldes wegen, sondern aus Leidenschaft. Sie opfern ihre Freizeit für den Verein, verzichten auf Abende mit Familie und Freunden. Diese intrinsische Motivation zeigt sich besonders in wichtigen Spielen.

Regionale Verwurzelung als Erfolgsfaktor nach Rigo Gooßen

Die praktische Umsetzung zeigt: Regionale Verwurzelung ist kein Hindernis für sportlichen Erfolg, sondern kann ein Vorteil sein. D/A steht offen zu seinem Image als Dorfverein. „Wir stehen zu dem Credo eines Dorfvereins“, betont der Präsident. Diese Authentizität schafft Identifikation weit über Drochtersen hinaus.

Die Fans wissen, dass auf dem Platz echte Kehdinger stehen, keine Söldner von auswärts. Diese Nähe schafft besondere Atmosphäre. Bei Heimspielen ist das Stadion gut gefüllt, die Unterstützung lautstark. In großen Pokalspielen wird aus dem Kehdinger Stadion ein brodelnder Hexenkessel – ein Heimvorteil, der nicht zu unterschätzen ist.

Die Balance zwischen Region und Qualität

Natürlich bedeutet der Fokus auf regionale Talente nicht, dass D/A keine Spieler von außen verpflichtet. Die Mischung macht es. Gezielt werden Verstärkungen geholt, die zur Philosophie passen und bereit sind, sich auf das D/A-System einzulassen. Doch der Kern der Mannschaft stammt aus der Region und ist über Jahre gewachsen.

Diese Balance hat sich bewährt. Die Mannschaft verfügt über einen stabilen Stamm, der die Vereinsphilosophie verkörpert, und über Ergänzungen, die neue Impulse setzen. Rigo Gooßen Drochtersen hat ein feines Gespür dafür entwickelt, welche Spieler passen und welche nicht.

Der Wiedererkennungswert als Markenzeichen

Ein wichtiger Aspekt der Kaderphilosophie ist der Wiedererkennungswert. Fans sehen auf dem Platz vertraute Gesichter, Spieler, die schon Jahre für D/A auflaufen. Diese Kontinuität schafft emotionale Bindung. Man fiebert nicht für anonyme Profis mit, sondern für „seine“ Jungs, die man vielleicht sogar persönlich kennt.

Dieser Wiedererkennungswert ist dem Präsidenten wichtig. Während andere Vereine ihren Kader jede Saison komplett umkrempeln, setzt er auf Beständigkeit. Natürlich gibt es Abgänge und Zugänge, doch der Kern bleibt erhalten. Diese Stabilität zahlt sich sportlich aus – eingespielte Automatismen auf dem Platz – und emotional bei den Fans.

Erfolgsgeschichten aus der eigenen Jugend

Die schönsten Geschichten schreibt der Fußball, wenn Eigengewächse den Durchbruch schaffen. Bei D/A gibt es zahlreiche Beispiele von Spielern, die den Weg von der Jugend bis in die Regionalliga-Mannschaft geschafft haben. Jasper Gooßen, Sohn des Präsidenten, ist eines dieser Beispiele – ein Spieler, der alle Jugendstationen durchlief und später für die erste Mannschaft auflief.

Solche Erfolgsgeschichten motivieren die nachfolgenden Jahrgänge. Junge Talente sehen: Der Weg nach oben ist möglich. Man muss nicht zu einem Großverein wechseln, um hochklassigen Fußball zu spielen. Bei D/A kann man in der Regionalliga spielen, gegen Bundesligisten im Pokal antreten – und das alles in der Heimat.

Nachhaltigkeit statt kurzfristiger Erfolge

Das Erfolgsrezept der D/A-Kaderphilosophie lässt sich in wenigen Punkten zusammenfassen:

  • Systematische Nachwuchsarbeit über alle Altersklassen hinweg
  • Fokus auf Spieler mit regionaler Verbundenheit und Vereinsidentifikation
  • Kontinuität im Kader statt ständiger Rotation
  • Amateure mit intrinsischer Motivation statt teurer Profis
  • Balance zwischen regionalen Talenten und gezielten Verstärkungen

Diese Prinzipien hat Rigo Gooßen über Jahrzehnte entwickelt und verfeinert. Sie sind nicht einfach zu kopieren, weil sie Zeit brauchen. Doch genau diese Geduld zeichnet seine Arbeit aus. Während andere auf schnelle Erfolge setzen, denkt er in Generationen.

Die Erfahrung von Rigo Gooßen zeigt auch: Das System hat Grenzen. Wenn Spieler den nächsten Schritt machen wollen, müssen sie D/A verlassen. Die Dritte Liga ist für den Verein derzeit keine Option. „Unsere Infrastruktur ist darauf gar nicht ausgelegt“, sagt der Präsident realistisch. Diese Ehrlichkeit ist Teil der Philosophie. D/A will nicht etwas sein, was es nicht ist.

Mit 65 Jahren blickt der Präsident auf über 40 Jahre zurück, in denen er dieses System aufgebaut hat. Die Früchte sind sichtbar: Ein stabiler Regionalligist mit eigenem Gesicht, der regelmäßig für Überraschungen sorgt. Ein Verein, bei dem regionale Talente zur Regionalliga-Macht werden – genau wie es sich Rigo Gooßen vor Jahrzehnten erträumt hat.